Siedlerschicksale

Im Jahr 2637 starten vom größten Raumhafen der Erde, Cap Canaveral, zwei Raumschiffe mit 2800 Siedlern an Bord in Richtung High Green, einer Siedlungswelt im Sternbild der Leier, ca 160 Lichtjahre von der Erde entfernt. Für die Reise waren 29 Monate berechnet.
Bei den Schiffen handelte es sich um die "Ivanhoe", unter dem Kommando von Hennyk van Boersdijk, in der Flotte allgemein "Hennyk die Peitsche" genannt. Er ist aber ein brillanter Astronome und Astrophysiker und seine Mannschaft steht geschlossen hinter ihm. Das zweite Schiff ist die "Penelope", unter dem Kommando von Dimitri Damasow, ein sehr zuverlässiger und kompetenter Kommandeur eines Raumschiffs. Seine einzige Schwäche ist des öfteren ein Gläschen Wodka zuviel.
An Bord der "Ivanhoe" befindet sich auch Benjamin Kreuzfeldt, Ingenieur der Sparte: Space Operating Systems. Er hatte Kontakt mit der WASA aufgenommen um seinen verbesserten Dimensionssplitter vorzustellen. Die seit langem bestehenede Lobby der Ingenieure erteilte ihm jedoch eine derbe Absage und empfahl ihm, in der Entwicklung von Spielzeugen tätig zu werden. Kreuzfeldt kochte vor Wut und schwor sich, es den Lackaffen zu zeigen, hatte allerdings noch keine Ahnung, wie er es anstellen könnte.
Der Zufall brachte van Boersdijk und Kreuzfeldt in einer Bar zusammen. Van Boersdijk erkannte das Genie von Kreuzfeldt und zusammen mit seinem ersten Offizier Jonas O'Connor investierten beide ihr gesamtes Vermögen in Rohstoffe und Werkzeuge.
Noch auf der Erde baute Kreuzfeldt zehn Roboter, die zwar universal einsetzbar waren, jedoch sehr kampfstarke Gefechtsmaschinen waren. Die zehn Roboter wurden in einem eigens dazu umgebauten Transportraum der "Ivanhoe" untergebracht.
Bei einem der Orientierungsstops zur Kursneuberechnung funkte van Boersdijk an die "Penelope", dass ein schwerer Defekt in seinen Navigationscomputern sei. Er bestieg zusammen mit O'Connor und fünf Kampfmaschinen ein Beiboot und setzte zur "Penelope" über. Im Handstreich, mit Unterstützung der Kampfroboter, überwältigte er die Zentrale und nahm Damasow gefangen. Damasow wurde später auf der "Ivanhoe" in eine der Arrestzellen gesperrt. O'Connor übernahm das Kommando der "Penelope" und die fünf Kampfmaschinen sorgten dafür, das es auch so blieb.
Aus alten WASA-Aufzeichnungen kannte van Boersdijk im Vierfachsystem Epsilon Lyrae einen erdähnlichen Planeten, der noch nicht zur Besiedelung überprüft und somit in Vergessenheit geraten war. Dieses System flogen nun beide Schiffe an, wobei 200 Lichtjahre zu überwinden waren.
Nach gut zwei Jahren erreichten beide Schiffe das System, van Boersdijk machte von seinem Recht Gebrauch und gab dem Planeten den Namen Ivanhoe, nach seinem Schiff. Den sich nach der Landung bildenden Siedlerrat zur Verteilung der Ländereien zerschlug er gewaltsam und ernannte sich selbst zum "Thorn", Schutz- und Executivgraf des Vierfachsystems.
Der Planet ging in sein Eigentum über und die Siedler waren ihm pachtpflichtig. Die Siedler, die sich nun Geuzen nennen mußten, wurden in zwei Kategorien aufgeteilt. Die halbwegs mit technischen Gerätschaften umgehen konnten, wurden zu Werftarbeiten eingesetzt. In einer eilig errichteten Werft wurde die "Penelope" zerlegt und daraus wurde später dann die "Spirit of the Geuzen", mit dem neuen Dimensionssplitter, gebaut.

 

Das Schiff, die "Spirit of the Geuzen", ist mit dem neuartigen ringförmigen Kreuzfeldt Dimensionssplitter ausgerüstet. Er projiziert eine n-dimensionale hochenergetische Strukturblase, die dann mitsamt dem Schiff aus dem Einsteinuniversum geschleudert wird.
Neuartig ist, das die Projektionsanlage außerhalb des Schiffes ist, und somit kleiner und Wartungsfreudiger.
Die Kursberechnungen erfolgen nicht mehr über eine dreiseitige Pyramide mit gleichschenkliger Basis, wo die Berechnung der Schnittpunkte im Raum oft Tage oder Wochen gedauert haben, sondern jetzt mit einer Kugel in der ein 360° Raster rotiert das über acht Raumkoordinaten den sogenannten Krümmungsweg berechnet. Die erforderliche Energie zur Projektion der Strukturblase wird über den Computer gesteuert. Die Navigatoren brauchen jetzt nur noch ihre Raumkoordinaten genau kennen, dann dauert die Kursberechnung maximal 12 Stunden.


Der Rest der Geuzen hatte unmittelbar mit mit einer ertragreichen Agrarwirtschaft zu beginnen, um die Werftarbeiter mit Verpflegung zu versorgen. Überhaupt wurden alle Erträge zusammengefaßt und nach erbrachter Leistung aufgeteilt.
Nach einjähriger Bauzeit war die "Spirit of the Geuzen" fertiggestellt und startete zu ihrem Jungfernflug (siehe Abbildung). Kreuzfeldts Neuerungen arbeiteten sehr präzise und somit war das Schiff der WASA-Flotte bei Dimensionssprüngen haushoch überlegen.

Spirit of the Geuzen
Spirit of the Geuzen

Nachdem beide Schiffe, die "Ivanhoe" und die "Penelope" schon längere Zeit überfällig waren, vermutete man bei der WASA eine Katastrophe und schickte die "House of the rising Sun" (Der Song der Animals ist da wohl auch noch Kult) unter dem Kommando von Kunta Kinte zu Nachforschungen von High Green aus auf die Reise.
Die "House of the rising Sun" ist ein schwerer Kreuzer (Trägerschiff) mit militärischen Aufgaben.

Trägerschiff "House of the rising Sun".
Trägerschiff "House of the rising Sun".
Multifunktionales Transportschiff "Ivanhoe"
Multifunktionales Transportschiff "Ivanhoe"

Die erste Hürde zur Erfüllung seines Traums, ein Sternenreich der Geuzen, war geschafft. Ivanhoe bot, da weitesgehend unbekannt, hervorragenden Schutz vor Entdeckung. Dazu kommt, der Planet versorgte die Gelandeten mit ausreichend Nahrung. Riesige Regionen waren mit gigantischen Sträuchern bewachsen. Diese Sträucher erhielten den Namen Big Chaparral (Äste waren nicht selten 80m lang), in Anlehnung an den Vegetationstyp in Californien. Auf Grund des langen Sommers samten die Pflanzen dreimal
im Jahr, eine etwa walnußgroße Frucht, die gemahlen Grundlage für viele Speisen war. Ein Strauch brachte bis zu 16000 Samen.
Mit dem Bau der "Spirit of the Geuzen" war er erstmal sehr mobil und Kreuzfeldts Neuerungen machten es sensationell beweglich. Ein zweites Schiff war geplant, der Name stand sogar schon fest: "Piet Heyn". Die Ivanhoe zu zerlegen wagte er jedoch vorerst nicht, das Schiff war zu wertvoll für Transporte. Die Erschaffung einer industriellen Infrastruktur würde noch Ewigkeiten dauern, es fehlte an Allem auch an Menschen. Um die Defizite auszugleichen beschloss van Boersdijk mit der "Spirit of the Geuzen" Kaperflüge durchzuführen. Er kannte die Orientierungspunkte auf den Flugrouten sehr genau und den Belegungsplan der WASA hatte er sorgfältig kopiert. Dort wurde immer sehr langfristig geplant.
Das erste Opfer war die "CS Hombre" ein Frachtschiff unter dem Kommando von Jerom Brakidas. Die "Spirit of the Geuzen" überfiel das Schiff und nahm die Besatzung gefangen. Die "Ivanhoe", die mit Verspätung dazukam, übernahm Ladung und Mannschaft und brachte sie zum Planeten Ivanhoe. Die "CS Hombre" wurde mit einem kurzen Stoß der Triebwerke unauffindbar in die Tiefen des Alls katapultiert.
Auf diese Art und Weise verschwanden 26 Schiffe der WASA spurlos, auf dieser Liste waren auch die "Ivanhoe und die "Penelope". Man war auf der Erde äußerst beunruhigt und vermutete schon das außerirdische Intelligenzen aufgetaucht wären. Die Schiffe mit militärischen Aufgaben waren pausenlos im Einsatz.
Da machte der Thorn van Boersdijk (von den Geuzen hinter vorgehaltener Hand Dornengraf genannt), einen entscheidenden Fehler. Er überfiel die "CS Excelsis" (die Abbildung zeigt ein Archivbild der WASA), einen Frachtraumer unter dem Kommando von Elvira O'Hara. Ein Bordmechaniker, der gerade in einem Umformer des Normalantriebs Reparaturarbeiten durchführte entging der Gefangennahme. Der Mechaniker, Brious Soloton, konnte den Überfall mit seinem Interkom genau verfolgen und blieb in seinem Versteck. Da die Reparaturarbeiten noch nicht abgeschlossen waren, funktionierte das Zünden des Normalantriebs nicht exakt und das Schiff geriet nur ins rotieren. Um die Ursache zu erforschen hatte van Boersdijk keine Zeit mehr, es konnten jederzeit andere Schiffe den Orientierungspunkt Beta 1136 Omega anfliegen. Er verschwand in Richtung Ivanhoe und plante erstmal eine längere Pause.
Jedoch war seine Versorgungslage immer noch unzureichend, er hatte zwar viel technisches Gerät erbeutet, das meiste davon mußte erst mal auf Halde gelegt werden. Was dringend gebraucht wurde waren elektronische Bauteile zur Industralisierung. Also beschloss er, früher als geplant, die Kaperflüge wieder aufzunehmen.
Ypsilon 00161 Delta war ein häufig angeflogener Orientierungspunkt, bei den Raumfahrern allgemein als blue Pea bekannt. In der Nähe befand sich ein Planet, dessen Oberfläche zu 90 Prozent aus Wasser bestand. Diesen Punkt sprang er an, um sich etwas zurückgezogen auf die Lauer zu legen.
Durch Brious Soloton hatte die WASA vom "Thorn of Ivanhoe" erfahren. Man kam sehr schnell auf Hennyk van Boersdijk, seine Akte war in Hinsicht seiner Persönlichkeit sehr aufschlußreich. Es war natürlich ein Schuß ins Blaue, die häufig angeflogenen Orientierungspunkte durch Militäreinheiten überwachen zu lassen.
Doch letztendlich war diese Taktik richtig. Bei blue Pea wartete die schon bekannte "House of the rising Sun" und ihr Schwesterschiff, die "Michelangelo" unter dem Kommando von Sternenoberst Petrulia Langley. Beim eintauchen ins Einsteinuniversum konnte die "Spirit of the Geuzen" gestellt werden. Ein Schuss vor den Bug von der "House of the rising Sun" ließen alle Träume van Boersdijks wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Gegen zwei schwere Kreuzer hatte er keine Chance. Zwei Kampfjäger der "Michelangelo" drangen zur "Spirit of the Geuzen" vor und nahmen den "Thorn of Ivanhoe" mit der fünfzehnköpfigen Besatzung gefangen.
Die Kursdaten zum Planet Ivanhoe wurden gesichert, er wurde später offizieller Siedlungsplanet. Die meisten der ehemals entführten blieben dort und errichteten eine Industrie für Nahrungsgrundstoffe.
Hennyk van Boersdijk wurde der Prozess gemacht, zwei Jahre dauerte allein die Beweisaufnahme. Verurteilt wurde er schließlich zu lebenslanger Haft auf dem Mond Ira des Riesenplaneten Orpheus, im System Hydria. Dort hatte die WASA ein Lager für Gewaltverbrecher eingerichtet.

Auf der Abbildung ist der Planet Orpheus von dem Mond Grachus aus zu sehen. Ira ist der Mond im oberen Teil links.
Benjamin Kreuzfeldt wurde freigesprochen, er war an den Taten nicht unmittelbar beteiligt, zudem brauchte die WASA seine  Talente.
Der Lobby der WASA-Ingenieure verging der Spott gründlich, nun lernten sie gehorsam bei Kreuzfeldt und lobten sein Genie.
O'Connor wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, die er auf der Erde absitzen durfte

Cargo Ship Excelsis
Cargo Ship Excelsis
Die beiden schweren Kreuzer stellen den Thorn of Ivanhoe
Die beiden schweren Kreuzer stellen den Thorn of Ivanhoe
Das Hydria System
Das Hydria System